+ Rudolf Graefenstein
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Alles verdanken wir Gott, der uns durch Christus mit sich versöhnt und uns den Dienst an der Versöhnung verliehen hat.
2 Kor 5, 18
Das große Herz von Höxter schlägt nicht mehr
Die Totenglocke von St. Nikolai und die Trauerbeflaggung an der Kirche und der Dechanei kündeten am Freitag morgen eine traurige Nachricht:
Im Alter von 78 Jahren verstarb völlig unerwartet am Donnerstagabend Pfarrdechant Rudolf Graefenstein in seiner Wohnung in der Rodewiekstraße. Erzieherinnen vom St. Nikolai-Kindergarten und Nachbarn vermissten ihn am Freitag morgen und schauten nach ihm. Der herbeigerufene Arzt konnte nur noch den Tod feststellen. Pfarrdechant Eilebrecht sprach die Gebete zur Verabschiedung und segnete den Verstorbenen.
33 Jahre lang, von 1970 bis 2003, leitete er die katholische St. Nikolai-Pfarrgemeinde.
Auch in seinem Ruhestand blieb der eifrige und beliebte Seelsorger ganz für die Menschen in Höxter da.
Jeder kannte ihn, wie er auf dem Marktplatz oder auf Straßen und Plätzen unterwegs war und bei den Menschen innehielt. Er sprach mit ihnen, hörte ihnen zu, er ermutigte und tröstete sie, und schließlich segnete er sie mit dem Kreuzzeichen auf der Stirn. Wer von ihm angesprochen und berührt war, ging gestärkt seiner Wege.
Der 1933 in Hagen geborene Pfarrdechant Graefenstein kam nach dem Bombenhagel des zweiten Weltkrieges nach Soest; dort legte er am Archigymnasium sein Abitur ab. In Paderborn und München studierte er katholische Theologie. Am 5. Juni 1957 wurde er, zusammen mit seinem Bruder Hans-Georg, im Paderborner Dom von Erzbischof Lorenz Jaeger zum Priester geweiht.
Seiner erste Vikarsstelle in Wiedenbrück-Batenhorst bis 1960 folgte für fünf Jahre eine Tätigkeit als Religionslehrer am Albrecht Dürer-Gymnasium in Hagen. Von 1965 bis 1970 war er in Hagen-Boele als Vikar eingesetzt, bevor er am 1.Februar 1970 in der Nachfolge von Konrad Sander das Amt des Pfarrdechanten an St. Nikolai antrat.
In seine Zeit fiel auch der Neubau des St. Ansgar-Krankenhauses, dessen Fertigstellung er nach den Plänen seines Vorgängers Konrad Sander engagiert anleitete. 10 Jahre lang war er Dekan der Seelsorgeregion Hochstift. Als 2001 Pfarrer Josef Schürmeyer in den Ruhestand trat, wurde Graefenstein zusätzlich Pfarrverwalter für St. Peter und Paul und Corvey. Schon im folgenden Jahr wurde er Leiter des neuen Pastoralverbundes Höxter, zu dem auch noch die Gemeinde St. Liborius Boffzen hinzukam. 2003 übergab er seine Ämter an seinen Nachfolger als Pfarrdechant, den jetzigen Domkapitular Monsignore Andreas Kurte.
Vielen Vereinen war er Präses und Geistlicher Leiter: KKV, Kirchenchor, Caritas oder Frauengemeinschaft werden seine freundliche, gewinnende und humorvolle Art vermissen.
Seine Liebe galt der Kirchenmusik: er stand nicht nur dem Förderverein Kirchenmusik vor, den er begründete, sondern er war auch 12 Jahre lang Diözesanbeauftragter des Cäcilienverbandes. Und er selber griff gern in die Tasten, begleitete Gottesdienste und Feiern und erfreute jung und alt. Ein besonderes Augenmerk hatte Pfarrdechant Graefenstein für die Ökumene. Die damals noch ungewohnten ersten Ansätze seines Vorgängers baute er aus und wurde ein Wegbereiter für das Miteinander der christlichen Konfessionen in Höxter, was ihm bei nichtkatholischen Mitbürgern ebenso viel Respekt und Dankbarkeit einbrachte wie in seiner Gemeinde.
Höxter verliert eine herausragende Persönlichkeit mit einem weiten Herzen, mit grenzenloser Güte und einem nie versiegenden Humor. Er war ein Segnender und ein Segen für die Stadt. Mit seinem ganzen Leben war er ein glaubwürdiger und überzeugender Botschafter der Liebe und Güte Gottes. Was er an Gutem säte, wird Frucht bringen. Die Beisetzungsfeierlichkeiten werden am Freitag, 11. November abgehalten. Um 11 Uhr sind die feierlichen Exequien in der St. Nikolai-Pfarrkirche. Anschließend wird der Leichnam im Trauerzug zum Friedhof am Wall geleitet, wo er eingesegnet und zur letzten Ruhe bestattet wird.
Am Sonntag wird der Leichnam des verstorbenen in der Nikolaikirche offen aufgebahrt, und in den folgenden Tagen im geschlossenen Sarg in der Halle der Dechanei. So besteht die Gelegenheit, sich von ihm persönlich zu verabschieden. Bis zur Beerdigung wird täglich ein Totengebet für den Verstorbenen abgehalten.
Der Ablauf der Trauerfeierlichkeiten.

